Der Morgen beginnt früh.
Zu früh vielleicht – denn unser Schlafzimmer liegt direkt zur Hauptstraße, und der Verkehr trägt uns hinaus aus dem Schlaf.
Doch die Küche öffnet sich nach hinten, in einen stillen Hof. Dort ist die Stadt fern, dort liegt Ruhe. Hier stehen wir am kleinen Tresen, frühstücken, während das erste Licht über Edinburgh fällt. Einfaches Brot, Butter, ein paar Kleinigkeiten, die wir uns am Abend zuvor gekauft haben.
Und mein Tag beginnt – wie so oft – mit Tee. Ein heller Pu-Erh, ein Gu Shu von alten Bäumen. Er ist sanft, klar, fast durchscheinend im Charakter. Ein Tee, der Ruhe schenkt, wo draußen noch Lärm tobt. Ein Tee, der zeigt: Stärke muss nicht laut sein.

Ein Markt, ein Blend und die Zeit dazwischen
Wir waren zu früh dran für Mary King’s Close – eine Stunde zu früh. Deutsche Pünktlichkeit schenkt uns Zeit.
Also ließen wir uns durch die Straßen treiben. Edinburgh begrüßte uns mit Sonnenschein, mild und fast warm. Wir entdeckten einen Markt, voller kleiner Köstlichkeiten, und futterten uns quer durch das Angebot.
In einer Seitengasse fanden wir einen kleinen, typischen Teeladen – und dort entdeckte ich einen Scottish Breakfast Blend. Ein starker aber sanfter, Vollmundig aber zurückhaltender, spannender Tee, in Schottland selbst geblendet. Noch habe ich ihn nicht probiert, doch allein der Duft versprach Kraft und Klarheit. Ein Tee, der den Morgen weckt.



Mary King’s Close – Abstieg in die Tiefe
Mary King’s Close ist eine Touristenattraktion – mit Kasse, Kostümen, geführten Touren. Ich wusste, dass es eine „Stadt unter der Stadt“ gibt. Doch nicht, wie groß sie ist.
Wir steigen die Stufen hinab. Vor uns liegt eine Gasse wie oben – nur überdacht von Stein. Über uns die heutige Stadt, hier unten das alte Edinburgh. Der Close wurde im 18. Jahrhundert beim Bau der Royal Exchange überbaut; die unteren Geschosse blieben erhalten und sind seit dem 21. Jahrhundert wieder zugänglich.
Unser Guide – breiter schottischer Akzent, voller Witz – führt uns durch enge Räume. Wäscheleinen hängen quer, Türen öffnen sich in kleine Kammern, in denen geschlafen, gekocht und ein einfacher Eimer als Toilette genutzt wurde. Kein Sonnenlicht, kaum Luft. Menschen und Tiere lebten dicht gedrängt – ein Herd für Krankheiten.
Besonders eindrucksvoll: ein über 400 Jahre alter Raum, so instabil, dass man sich nicht anlehnen darf. Die Katakomben wirkten insgesamt leer – keine Geister für meine Begriffe. Doch hier soll einer sein. Und ja: man konnte es fast spüren.
Mitten in den Räumen steht die Statue des Pestdoktors mit seiner Rabenmaske. Sie wirkt unheimlich, und doch war sie Schutz: Kräuter im Schnabel gegen die „Miasmen“ der Luft, ein in Wachs versiegelter Ledermantel, der Flöhe fernhielt. Ohne es zu wissen, hatten die Ärzte damit echten Schutz vor der Pest.
Edinburgh wurde bis ins 17. Jahrhundert immer wieder von Pestwellen heimgesucht. Ganze Familien starben in diesen dunklen Closes, wo Leben und Tod dicht beieinander lagen.
Die Treppen wieder hinaufzusteigen fühlte sich fast wie eine Befreiung an. Unten hat es mich mitgenommen – und ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich dort nicht leben musste.
St. Giles’ Cathedral – Licht nach der Dunkelheit
Von der Tiefe führte unser Weg zurück ins Licht – zur St. Giles’ Cathedral, deren markante Krönchenturm-Kuppel über der Royal Mile thront.
Gegründet im 12. Jahrhundert durch König David I., zeigt die Kathedrale heute ein Mosaik der Zeiten: gotische Elemente, die prachtvolle Thistle Chapel (1911, Robert Lorimer) und Spuren der Reformation. Hier predigte John Knox, und hier wurde James Stewart, 1. Earl of Moray – Halbbruder von Maria Stuart – 1570 beigesetzt.
Innen erstrahlen bunte Glasfenster, darunter ein Fenster zu Robert Burns. Doch mein Eindruck war zwiespältig: Neben ehrwürdigen Holzsitzen standen moderne Ergänzungen, teils aus gegossenem Gips – zu glatt, zu fremd im Vergleich zur alten Handwerkskunst. Und an mancher Stelle ein fast comicartiger Regenbogen, der wie ein Fremdkörper wirkte.
So ist St. Giles’ ein Ort der Größe und Geschichte, aber auch ein Ort der Brüche. Nach der Enge und Dunkelheit von Mary King’s Close ist sie zwar das Licht – doch ein Licht, das manchmal blendet, statt sanft zu leuchten.




PekoeTea Edinburgh – Teegenuss im Herzen der Stadt
Von St. Giles’ Cathedral machten wir uns zu Fuß auf den Weg – rund 40 Minuten quer durch Edinburgh. Vorbei an kleinen Shops, durch den geschäftigen Straßenverkehr, während die roten Busse in dichtem Takt an uns vorbeirauschten. Und all das bei strahlendem Sonnenschein, der die alten Steine und Fassaden golden leuchten ließ.
So führte uns der Weg schließlich dorthin, wo ich mich immer zuhause fühle: in einen Teeladen. In Edinburgh ist das PekoeTea eine besondere Adresse. Ein kleiner, feiner Laden, voller Aromen, Gläser und Dosen – ein Ort, der schon beim Eintreten Ruhe schenkt.
Als wir hereinkamen, war bereits ein älterer Herr da. Ganz selbstverständlich ergab sich ein Gespräch über Tee – über Anbaugebiete, Qualitäten, Traditionen, fast von A bis Z. Und wieder zeigte sich, wie Tee verbindet: quer durchs Land, quer über Kontinente hinweg. Fremde Menschen, die plötzlich in einer gemeinsamen Sprache sprechen – der Sprache des Tees.
Mein erster Tee: ein wilder Lapsang.
Ich wusste, dass er nicht geräuchert ist – genau deshalb habe ich ihn gewählt. Und ich habe mich gefreut, ihn hier zu finden. Rund, tief, fruchtig, mit einem Hauch von Rose und Schokolade. Die Dame im Laden war großzügig, füllte reichlich Blätter in die Kanne – so konnte ich locker sieben Aufgüsse genießen. Er hätte noch weitergetragen, doch dann wollte ich Neues probieren.
Danach: ein Ivan-Tee, tatsächlich hier in Schottland gewachsen. Kein Import aus Russland, sondern auf schottischem Boden kultiviert. Weich, krautig, fast balsamisch – ein Tee, der zeigt, dass auch dieses Klima Teepflanzen tragen kann. Es war, als ob Schottland selbst in der Tasse lag.
Zum Abschluss durfte ich noch etwas ganz Besonderes probieren: den Highland Whisky Tea. Ein kräftiger Schwarztee, veredelt mit Noten von Whisky. Er roch nach Fass, nach Holz, nach Highlands – und schmeckte zugleich nach malziger Wärme. Ein Tee, der Schottlands Seele einfängt: herb, tief und zugleich einladend.
Mitgenommen habe ich schließlich fünf Tees: drei verschiedene schottische Whisky-Tees, einen Blend mit in Schottland gewachsenem Tee – und einen geräucherten Lapsang.
Als wir den Laden verließen, hatte der Himmel seine Laune gewechselt. Der Regen fiel in Strömen – doch die Schotten nennen das ihren Sonnenschein. Und irgendwie passte es: Ein Tag voller Kontraste, voller Geschichte und voller Tee, der im Regen seinen Abschluss fand.
Die exklusive Schottland-Box
Damit meine Community diese Reise ein Stück weit miterleben kann, habe ich eine streng limitierte Schottland-Box zusammengestellt.
Sie enthält:
– eine Teeschale im Whisky-Glas-Stil – Sammlerstück und Herzstück der Box
– 15 g eines kräftigen schottischen Blends
– 15 g eines charaktervollen Whisky-Tees
– mindestens einen weiteren Tee, den ich hier in Schottland noch für euch entdecken werde
👉 Preis: 50 €. Nur 2 Boxen sind noch verfügbar.
Wer zuerst schreibt, hat sie sicher.
📩 Bestellungen bitte per Mail an Inga @ yemin.de
Bis Mittwoch den 03.09.25
Ein Stück Schottland – exklusiv für deine Teestunden zuhause.
