Wenn wir von Tee sprechen, sprechen wir meist über Blätter. Sorten. Geschmack. Wirkung. Doch das Element, das alles verbindet, ist das Wasser. Und nicht nur welches Wasser wir verwenden, sondern wie wir es erhitzen, verändert alles.
In diesem Beitrag möchte ich dich mitnehmen in die fast vergessene Kunst des Wasserkochens. Eine Reise von der elektronischen Schnellheit zur glühenden Geduld des Feuers – mit Blick nach China, Japan und in die Tiefe der Teeseele.

Warum die Art der Erhitzung überhaupt wichtig ist
Auf den ersten Blick scheint es egal: Hauptsache 100 °C, oder? Doch wer Tee nicht nur trinkt, sondern begegnet, wird schnell merken: Wasser ist mehr als Temperatur. Es trägt Informationen, Energie, und es begegnet den Teeblättern auf eigene Weise.
Die Art der Erhitzung beeinflusst:
– den Temperaturverlauf (plötzlich vs. stetig)
– die molekulare Struktur (z. B. Oberflächenspannung)
– die energetische Qualität (TCM: Yin/Yang, Qi)
– die sensorische Wahrnehmung (“süßes” Wasser, weicher Mundkontakt)
Diese Aspekte greifen auch in einen tieferen Zusammenhang hinein, den ich in meinem Artikel “Wie Wasser deinen Tee und deine Stimmung spiegelt” beschreibe. Dort geht es darum, wie Wasser nicht nur auf Hitze, sondern auch auf unsere Stimmung, unsere Handhaltung, sogar auf unsere innere Frequenz reagiert.

Elektrisches Erhitzen – praktisch, aber kantig
Typisch: Wasserkocher, Induktion, Ceran.
Sehr schneller Temperaturanstieg.
Oft “sprunghaftes” Kochen (kein sanftes Aufwallen).
In Teezeremonien als zu „eckig“ empfunden.
Energetisch betrachtet (z. B. TCM / Daoismus):
starkes Yang, aber unbalanciert
Qi wird “durchgeschüttelt” statt getragen
In der Tasse:
Tees wirken schneller bitter
feine Nuancen gehen verloren
Wasser wirkt energetisch leer oder “hart”
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Der Herd – die goldene Mitte
Typisch: Gas, Ceran, Induktion – mit Kessel oder Topf.
Gleichmäßiger Temperaturverlauf
Sanftes Aufwallen gut steuerbar
Ideal für gusseiserne oder keramische Kessel
Kohle und Feuer – die alte Kunst
Typisch: Holzkohleofen, Holzfeuer, japanischer Furo.
Langsamster, aber harmonischster Temperaturanstieg
Gleichmäßige Strahlungswärme
Traditionelle Methode in China und Japan
Energetik:
Feuer gibt dem Wasser Yang, aber in Stille
Qi wird erhoben, ohne das Yin zu zerstören
Wasser wird als “süß” und “lebendig” beschrieben
In der Tasse:
Tiefe, Weichheit, Balance
Ideal für Pu-Erh, Oolong, Matcha, feine Kräuter
Besonders spannend: Laut Erfahrungsberichten reagiert Wasser nicht nur auf Hitze, sondern auch auf Stimmung. In meinem Blogbeitrag zum Thema Wasser und Emotion beschreibe ich, wie Tee an traurigen oder stressigen Tagen anders schmeckt – nicht, weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil Wasser deine innere Welt spiegelt.
Die drei Atemzüge des Wassers (nach Lu Yu)
Bereits im 8. Jahrhundert schrieb der chinesische Teemeister Lu Yu über die Kochstufen des Wassers:
1. Krebsaugen (蟹眼): Kleine Bläschen, leises Knistern. Das Qi beginnt.
2. Fischaugen (魚眼): Größere Blasen steigen auf. Das Qi tanzt.
3. Wellenrollen (鼓浪): Sprudelndes Kochen. Das Qi tobt – nur für starke Tees.
Diese Stufen lehren uns, dass nicht die Temperatur allein entscheidet, sondern der Moment. Das Lauschen. Das Wahrnehmen.
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Japan: Wasser als Mitspieler
Im japanischen Sadō (Weg des Tees) wird Wasser nicht gekocht, sondern begleitet. Der Eisenkessel (kama) sitzt über edler Binchōtan-Kohle. Alles geschieht in Stille. Der Moment, in dem das Wasser “bereit” ist, ist kein Grad, sondern eine Empfindung.
Matcha braucht kein kochendes Wasser (80–90 °C)
Der Klang des Wassers verrät mehr als das Thermometer
Die Japaner lehren: Wasser hat eine Seele. Es spiegelt unsere innere Haltung.
Uhrzeiten & Elemente (TCM-Perspektive)
In der chinesischen Medizin steht jede Tageszeit in Verbindung mit einem Organ und einem Element:
Früh (5–7 Uhr – Holz): Klarheit, Aufbruch → Grüntee, Frische
Vormittag (9–11 Uhr – Feuer): Aktivierung → Oolong, Pu-Erh
Abend (17–19 Uhr – Metall): Sammlung, Ruhe → Reifer Tee, Kräuter
Nicht nur was wir trinken, sondern wann wir Wasser erheben, spielt also eine Rolle.
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Fazit: Wasser ist nicht gleich Wasser
Elektrisch erhitztes Wasser ist wie ein Sprint: schnell, zielführend, aber ohne Tiefe. Kohle- oder Feuerwasser ist wie ein stiller Spaziergang: atmend, lebendig, offen für Begegnung.
Wenn du das nächste Mal Tee zubereitest, frage dich nicht nur: “Welche Sorte?”, sondern: “Wie möchte ich, dass mein Wasser atmet?”
Vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Zeremonie.
Möchtest du tiefer eintauchen? Dann lies meinen Artikel “Wie Wasser deinen Tee und deine Stimmung spiegelt” und erfahre, wie Wasser zu einem Spiegel deiner Seele werden kann. Oder begleite mich in meinen Kursen, Teerunden und Retreats – dort fließt Wasser nicht nur im Kessel, sondern auch durch das Herz.
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