Wie ich in den Zaubertrank fiel: Meine Geschichte mit dem Tee

Ich bin in der DDR geboren, introvertiert, voller Selbstzweifel, ohne so richtig zu wissen, wo ich hingehöre. Ich hatte wenige Freunde und war schon als Kind relativ isoliert.

Ich wusste damals nicht, warum. Ich wusste nicht, dass ich ADHS habe — die Diagnose kam erst mit 43. Ich wusste nicht, dass ich hochsensibel bin — das erfuhr ich mit 38. Und dass ich Synästhetikerin bin, wusste ich erst mit 44. Ich dachte einfach, ich sei falsch. Ich habe mich nicht getraut, auf Menschen zuzugehen, weil ich anders tickte und keine Erklärung dafür hatte.

Eine Mutter sagte einmal zu meiner damaligen “Freundin”, als die mich zum Geburtstag einladen wollte: Ach, die Komische kommt?

Das ist keine dramatische Geschichte, es ist einfach meine.

Was mich damals gerettet hat, waren Kung-Fu-Filme. Diese Frauen darin waren zierlich, klein, anmutig — und gleichzeitig unfassbar stark. Sie standen für sich ein, mitten im Alltag, ohne laut zu sein. Das war das Gegenteil von dem, was ich in mir spürte. Dazu kam diese Mystik, die chinesische Kultur dahinter, die mich anzog wie nichts zuvor.

Also wollte ich unbedingt Kung Fu lernen.

Meine Mutter sagte damals: Mach lieber was Normales für ein Mädchen.

Da war bei mir alles klar. Ich bin stur gewesen, schon immer. Genau das Gegenteil von dem, was mir jemand vorschreiben wollte, habe ich getan. Ich habe mich angemeldet.

Drei Lektionen, bevor ich einen einzigen Schlag lernte

Mein Meister hatte einen Plan mit uns, den keiner von uns verstand, bevor er vorbei war.

Erstens prüfte er unseren Willen. Drei Monate lang ließ er uns nur stehen — in der Reiterstellung, dieser tiefen Kung-Fu-Grundhaltung, die nach wenigen Minuten in den Oberschenkeln brennt. Die ersten in der Gruppe fragten irgendwann, wofür sie eigentlich fürs Stehen bezahlten. Ich wollte unbedingt Kung Fu lernen und habe durchgehalten.

Zweitens dachten wir, jetzt geht es los — endlich lernen, wie man jemanden kaputt macht. Stattdessen zeigte er uns die chinesische Massage. Bevor du lernst, jemanden zu zerstören, musst du erst lernen, ihn ganz zu machen.

Drittens dachten wir wieder, jetzt aber. Doch er sagte: Bevor du nach außen gehst, musst du nach innen gehen. Lern dich selbst kennen. Denn nur wer sich selbst kennt, kennt auch andere. Und wer sich selbst kennt, weiß, dass er niemanden verletzen möchte.

Dafür brachte er uns die Teezeremonie bei — Gong Fu Cha, wie ich sie bis heute praktiziere.

Reines Wasser. Besserer Geschmack.

💧 Entdecke geprüfte Lösungen für besseres, reineres Trinkwasser | Rabattcode: Yeming5

Der Tisch, an dem meine Meinung zählte

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, zum ersten Mal an diesem Teetisch zu sitzen. Wir saßen alle zusammen in einem Kreis, ohne Hierarchie in diesem Moment.

Über Tee lässt sich nicht streiten. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Tee macht keine Unterschiede.

Ich wurde gefragt: Wie schmeckt er dir?

Und ich sagte es ehrlich, so wie ich es auch später bei jedem Tee sagen würde, den ich nicht mochte: Er hat mir nicht geschmeckt. Über ein Jahr lang, vielleicht zwei, hat mir dieser Tee nicht geschmeckt.

Wichtig war das trotzdem, denn meine Meinung zählte genauso viel wie die jedes anderen am Tisch. Ich, dieses introvertierte Mädchen ohne Zugehörigkeit, saß da und wurde gefragt, gehört, ernst genommen — für etwas so Kleines wie einen Geschmack.

Das war mein eigentlicher Triggerpunkt: die Zugehörigkeit, mehr als der Tee selbst. (Was diesen Raum zwischen dir und dem Tee ausmacht, habe ich später in diesem Artikel noch einmal aufgeschrieben.)

Was daraus wurde

Aus diesem einen Moment am Teetisch, an dem mir der Tee gar nicht schmeckte, wurden knapp dreißig Jahre. Eine Teemeisterin ist daraus geworden, ein Podcast, ein Blog, eine Community, ein Tea Summit. Und die Frau, die heute um 5 Uhr aufsteht, bevor die Kinder wach sind, Wasser aufsetzt, sich hinsetzt und trinkt.

Was mich selbst manchmal wundert: Auch die Frau, die auf Bühnen steht, Events moderiert, vor Menschen spricht und Geschichten erzählt, ist daraus geworden. Ich bin immer noch introvertiert. Ich tanke im Alleinsein auf, nicht auf der Bühne, und suche das Rampenlicht nicht für mich selbst. Für den Tee stelle ich mich trotzdem hin. Der Tee gibt mir eine Sprache, mich anders auszudrücken, als ich es je könnte, wenn es nur um mich ginge

Amazon Teeauswahl

Hier findest Du die Community Amazonliste

Warum Tee heute wichtiger ist als je zuvor

Ich glaube, dass wir diese Art von Zugehörigkeit gerade jetzt brauchen, in einer Gesellschaft, die an allen Ecken und Enden gespalten wird. Am Teetisch gibt es kein Richtig und kein Falsch, keine Seite, auf die man sich schlagen muss. Nur die Frage: Wie schmeckt er dir? Deshalb halte ich Tee, und die Kunst des Tees, für etwas, das gerade jetzt wichtig ist — als Ort, an dem sich die Welt wieder begegnen kann, statt als Rückzug vor ihr.

Wenn ich heute mit Gästen für meinen Podcast spreche, höre ich diese Geschichte in Variationen immer wieder. Die Details ändern sich, mal ist es kein Kung Fu, keine DDR, keine Reiterstellung. Was bleibt, ist das Muster: ein Mensch, der sich nirgendwo zugehörig fühlte, und ein Teetisch, an dem plötzlich jede Stimme gleich viel zählte.

Das ist es vielleicht, was Tee wirklich kann, mehr als der Geschmack, mehr als die Wirkung auf den Körper, über die ich hier sonst so viel schreibe: dieser eine Moment, in dem jemand fragt, wie er dir schmeckt, und es wirklich hören will.

Weiterführende Gedanken und Ressourcen

Wenn du mehr darüber lesen willst, wie sich dieses überreizte Nervensystem bis heute zeigt und was mir dagegen hilft, habe ich das kürzlich in Tee bei ADHS: Was die TCM weiß aufgeschrieben, und wie mein Abendritual heute aussieht, in GABA Oolong: Wirkung, Schlaf und warum dieser Tee mein Abendritual gerettet hat.

📥 Kostenlos: “Finde deinen Tee”

Welcher Tee passt zu dir?
Das Problem: Die meisten trinken den falschen Tee zur falschen Zeit.

In dieser PDF erfährst du:
• Deine Tee-Konstitution (nach TCM)
• Welche Tees zu dir passen
• Ein einfaches Ritual für innere Ruhe

Trag deine E-Mail ein und erhalte das PDF.

Beitrag Teilen