Viele Menschen verbinden japanischen Tee ausschließlich mit dem beliebten Matcha Latte aus dem Café. Tatsächlich trinken die meisten Menschen in Japan jedoch ganz andere Teesorten im Alltag. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Arten von japanischem Tee, erklärt ihre Unterschiede, ihren Geschmack und die richtige Zubereitung. Außerdem erfahren Sie, warum Matcha so teuer ist, woran man hochwertigen Matcha erkennt und welche japanischen Tees in Japan tatsächlich am häufigsten getrunken werden.
Wie japanischer Tee im Alltag getrunken wird
Japanischer Tee gehört fest zum täglichen Leben. Während Matcha im Westen oft als Synonym für japanischen Tee gilt, trinken die meisten Menschen in Japan hauptsächlich aufgegossene Blatttees.
Typische Beispiele:
- Kostenloser grüner Tee zu Mahlzeiten in Restaurants
- Ungesüßter Tee aus Getränkeautomaten und Supermärkten
- Frisch aufgebrühter Tee aus einer traditionellen Teekanne zu Hause
Zu den beliebtesten japanischen Teesorten im Alltag gehören:
- Sencha
- Bancha
- Hojicha
- Genmaicha
Matcha wird dagegen eher für Teezeremonien, besondere Anlässe oder als Zutat für Süßspeisen, Eiscreme und Backwaren verwendet. Der bekannte Matcha Latte ist eine westliche Interpretation, die die natürliche Bitterkeit des Tees mit Milch abmildert.
Guten Tee finden
Die wichtigsten japanischen Teesorten
Sencha: Der beliebteste japanische Tee
Sencha ist mit Abstand der meistgetrunkene japanische Tee. Die Teeblätter wachsen unbeschattet in der Sonne, werden nach der Ernte gedämpft, gerollt und getrocknet.
Typische Merkmale:
- Frischer Geschmack
- Leicht grasige Noten
- Ausgewogene Süße und Bitterkeit
- Ideal für Einsteiger
Wer erstmals japanischen Tee probieren möchte, trifft mit Sencha meist die beste Wahl.
Shincha: Die erste Ernte des Jahres
Shincha ist keine eigene Teesorte, sondern bezeichnet die erste Pflückung der Saison, meist im April oder Mai.
Besonderheiten:
- Besonders frische Aromen
- Höhere natürliche Süße
- Begrenzte Verfügbarkeit
- Höherer Preis
Ein Shincha kann sowohl ein Sencha als auch ein Gyokuro sein. Entscheidend ist ausschließlich der frühe Erntezeitpunkt.
Gyokuro: Der edelste japanische Grüntee
Gyokuro zählt zu den hochwertigsten japanischen Teesorten. Die Pflanzen werden vor der Ernte mehrere Wochen beschattet.
Dadurch entstehen:
- Intensiver Umami-Geschmack
- Wenig Bitterkeit
- Natürliche Süße
- Tiefgrüne Blätter
Gyokuro wird als Blatttee aufgegossen und nicht zu Pulver verarbeitet.
Hojicha: Der geröstete Klassiker
Hojicha wird nach der Verarbeitung geröstet und erhält dadurch sein typisches Aroma.
Eigenschaften:
- Nussige Röstaromen
- Kaum grasige Noten
- Relativ koffeinarm
- Gut für den Abend geeignet
Genmaicha: Grüner Tee mit geröstetem Reis
Genmaicha kombiniert grünen Tee mit gerösteten Reiskörnern.
Geschmack:
- Mild
- Nussig
- Angenehme Röstaromen
- Sehr zugänglich für Einsteiger
Bancha: Der günstige Alltagstee
Bancha wird aus später geernteten und gröberen Blättern hergestellt.
Merkmale:
- Preisgünstig
- Mild
- Alltagstauglich
- Etwas weniger komplex als Sencha
Matcha: Warum japanischer Matcha so teuer ist
Matcha ist keine eigene Teesorte, sondern fein gemahlener grüner Tee. Anders als bei aufgegossenen Blatttees wird beim Matcha das gesamte Blatt mitgetrunken.
So entsteht Matcha
- Die Teepflanzen werden drei bis vier Wochen beschattet.
- Geerntet werden nur junge Blätter der ersten Pflückung.
- Stängel und Blattadern werden entfernt.
- Übrig bleibt Tencha.
- Tencha wird langsam in Granitsteinmühlen vermahlen.
Eine traditionelle Steinmühle produziert lediglich etwa 30 bis 40 Gramm Matcha pro Stunde. Allein dieser aufwendige Herstellungsprozess erklärt einen großen Teil des hohen Preises.
Reines Wasser. Besserer Geschmack.
Warum Matcha derzeit noch teurer wird
Zusätzlich zur aufwendigen Produktion besteht eine hohe Nachfrage nach Matcha. Die wichtigsten Anbaugebiete können ihre Produktionsflächen nicht kurzfristig erweitern. Gleichzeitig hat der weltweite Matcha-Boom den Bedarf stark ansteigen lassen.
Dies führt zu:
- Höheren Marktpreisen
- Teilweise limitierten Abgabemengen
- Knappheiten bei hochwertigem Tencha
- Umstellungen von Sencha-Anbau auf Matcha-Rohmaterial
Woran erkennt man echten Matcha?
Da die Bezeichnung „Matcha“ rechtlich nicht geschützt ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Qualität.
Farbe
Hochwertiger Matcha besitzt eine intensiv leuchtend grüne Farbe.
Warnzeichen:
- Gelbstich
- Mattes Olivgrün
- Braune Verfärbungen
Textur
Guter Matcha fühlt sich seidig und pudrig an.
Warnzeichen:
- Grobe Körnung
- Sandiges Mundgefühl
- Sichtbare Klümpchen
Geschmack
Qualitäts-Matcha zeichnet sich aus durch:
- Umami
- Milde Süße
- Kaum Bitterkeit
Starke Bitterkeit kann auf minderwertiges Ausgangsmaterial oder eine schlechte Verarbeitung hinweisen.
Braucht man Ceremonial Grade?
Für einen Matcha Latte ist hochwertiger Ceremonial Grade meist nicht notwendig. Die feinen Geschmacksnuancen gehen durch Milch und Süßungsmittel weitgehend verloren. Ein guter Culinary Grade oder Latte Grade bietet häufig das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
Japanischen Tee richtig zubereiten
Bei japanischem Tee gilt grundsätzlich: Je hochwertiger die Pflückung, desto niedriger sollte die Wassertemperatur sein.
Sencha
- 70 bis 80 °C
- Ziehzeit etwa 1 Minute
Gyokuro
- 50 bis 60 °C
- Ziehzeit etwa 2 Minuten
Hojicha, Genmaicha und Bancha
- 90 bis 100 °C
- Weniger empfindlich gegenüber hohen Temperaturen
Matcha zubereiten
Klassische Methode:
- 1 bis 2 Gramm Matcha sieben
- Mit 60 bis 80 ml Wasser (70 bis 80 °C) aufgießen
- Mit einem Chasen aufschlagen
Alternativ funktioniert auch ein Milchaufschäumer oder Schneebesen für den Alltag sehr gut.
Persönliche Erfahrungen mit japanischem Tee
Geschmacklich gehören japanische Tees für mich zu den interessantesten Tees überhaupt. Besonders Gyokuro überzeugt mit seiner natürlichen Süße und seinem ausgeprägten Umami. Gleichzeitig gelten viele japanische Grüntees als stark kühlend und sind deshalb nicht für jede Person gleichermaßen geeignet.
Obwohl ich den Geschmack sehr schätze, trinke ich japanischen Tee eher selten. Am häufigsten greife ich noch zu Gyokuro oder gelegentlich zu Sencha im Restaurant. Wegen des hohen Koffeingehalts genieße ich Gyokuro allerdings nur vormittags.
Fazit: Japanischer Tee ist weit mehr als Matcha
Wer bei japanischem Tee nur an Matcha denkt, verpasst einen großen Teil der japanischen Teekultur. Sencha, Gyokuro, Hojicha, Genmaicha und Bancha prägen den Alltag in Japan deutlich stärker. Wer die verschiedenen japanischen Teesorten ausprobiert und auf Qualität achtet, entdeckt schnell die große Vielfalt des japanischen Grüntees und findet seinen persönlichen Favoriten.
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